Die große Wirtschaft-Datenbank Russland


+49 177 9632477

Wirtschaft schutzlos vor einer neuen Rezession

Die USA, Japan und viele europäische Länder haben ihren Arsenal der Wirtschaftspolitik ausgeschöpft und stehen nun wehrlos vor der erneuten Rezession. Indessen verlangsame sich das Wachstum bis zur „Kippgeschwindigkeit", warnt der bekannte amerikanische Ökonom Nouriel Roubini.

Wirtschaft schutzlos vor einer neuen Rezession

„Den USA gingen alle Patronen aus“, erklärte Professor von der Universität New York, Nouriel Roubini, auf dem jährlichen Ambrosetti-Forum in der italienischen Stadt Cernobbio.

„Weitere Maßnahmen zur quantitativen Minderung des Federal Reserve Systems (Kauf von Anleihen) werden nichts ändern. Renditen von Staatsanleihen sanken bereits auf 2,5%, die Kredit-Spreads nehmen jedoch wieder zu. Die geldpolitischen Maßnahmen können zu einer Erhöhung der Liquidität führen, dies wird jedoch nicht Probleme der Zahlungsfähigkeit lösen können“, erklärte Roubini Vertretern der politischen und wirtschaftlichen Elite der Welt in Italien.

Roubini meint, die wirtschaftliche Wachstumsrate in den USA könne im zweiten Halbjahr unter die 1%-Grenze sinken, trotz des größten Förderungsprogramms in der Geschichte. Dieses Programm beinhaltete Herabsetzung der Zinssätze von 5% auf 0%, Steigerung der Staatsausgaben sowie Finanzspritzen in Höhe von 3 Mrd. US-Dollar zur Unterstützung des Finanzsystems.

Im Gegensatz zur jetzigen langsamen Wiederherstellung der Wirtschaft betrug die Wachstumsrate der gleichen Aufschwunsgphasen in der Nachkriegszeit nach der Rezession 4-6%, stellt die australische Tageszeitung The Daily Telegraph fest.

„Wir erreichten die „Kippgeschwindigkeit“. Jede weitere Erschütterung kann in dieser Situation zu einer wirtschaftlichen Rezession führen. Die Steigerung der Interbankenspreads kann den Kreis wie 2008-2009 schließen“, warnt Roubini. Dabei warnte er vor dem selbst ins Rollen kommenden Krisenmechanismus, wenn die Realwirtschaft und das Kreditsystem sich gegenseitig schwächen.

„Mit einer Wahrscheinlichkeit von 40% wird es in den USA einen „Doppelboden“ geben, in Japan ist das Risiko noch größer. Auch wenn es technisch keine Rezession sein wird, die Auswirkungen werden die gleichen sein“, fügte Roubini hinzu.

Präsident des deutschen ifo Instituts für Wirtschaftsforschung, Hans-Werner Sinn, sagte, die USA werden ihre Schuldenüberschüsse drastisch reduzieren müssen. „Die bittere Wahrheit besteht darin, dass es keinen Ausweg aus dieser monetären und fiskalischen Strategie gibt. Ihnen bleibt nichts anderes übrig, als auf eine Absenkung des Lebensstandards zu warten. Ich sehe ein schweres Jahrzehnt für die USA“, so Sinn.

Die USA brauchten Ressourcen der Staatsförderung auf, sagt der Professor an der Harvard-Universität, Niall Fergusson. Dabei beruft er sich auf die Prognosen der US-Haushaltsbehörde, dass die Zinsen für die Bedienung der Staatsschulden zum Jahr 2020 bis auf 20% und zum Jahr 2030 bis auf 30% steigen werden, falls keine Sparmaßnahmen ergriffen werden.

„Die Haushaltskrise ist anscheinend nicht mehr kontrollierbar. In Kürze wird eine bedeutende Grenze erreicht, wenn die Ausgaben der USA für die Bedienung der Schulden höher als die Ausgaben für die Staatssicherheit sein werden. Im historischen Sinne ist das eine Krisensituation für eine Weltmacht“, wird Fergusson von The Daily Telegraph zitiert.

Laut Fergusson droht das in den vergangenen Jahren beabsichtigte Bündnis „Chimerika“ (China und Amerika) zu scheitern. China ist nicht mehr bereit, den Markt der amerikanischen Wertpapiere zu finanzieren. Sein Anteil der gesamten Schulden der USA sank von 13% auf 10%.

Roubini meint, dass die Staatsschulden in den reichen Ländern zum Jahr 2015 durchschnittlich bis auf 120% des BIP ansteigen werden. Dies werde weitere Staatsförderung unmöglich machen. Und wenn Regierungen der Industrieländer ihr Schicksal versuchen werden, wird ihnen eine Schuldenkrise drohen, wie dies in diesem Jahr in Südeuropa der Fall war.  

Lage in Russland: keine neue Rezession zu erwarten

Russische Wirtschaft sei im Stande, einer Rezession im Falle einer erneuten Weltwirtschaftskrise auszuweichen, teilte Russlands Vizeminister für Wirtschaftsentwicklung und Handel, Andrej Klepatsch, mit.

„Zum jetzigen Zeitpunkt vermuten wir, dass im Falle einer Stagnation oder einer erneuten Rezession in der Weltwirtschaft Russland kein wirtschaftlicher Rückgang erwartet“, sagte Klepatsch.

Weiter erklärte er, die Krise wäre eine gute Lehre, dass man auch die äußersten Varianten des Geschehens berücksichtigen sowie die Widerstandsfähigkeit der Wirtschaft gegen die Krise analysieren müsse.

„Vielleicht haben wir die Wirkung unserer Maßnahmen gegen die Krise etwas überschätzt, da sie sich später, mit einer merklichen Verzögerung, auf die Realwirtschaft auswirkte, vor allem wegen der Verteuerung der Bankkrediten, die nicht verhindert werden konnte. Allerdings mussten sich auch die USA und EU-Länder mit der Kreditverteuerung auseinandersetzen“, bemerkte der Vizeminister.

06.09.2010 bfm.ru
Übersetzung aus dem Russischen von NBS

Mehr Information: