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Das Porträt eines typischen russischen Managers

Die Wissenschaftler haben das Porträt eines typischen russischen Managers entworfen. Das Profil eines durchschnittlichen Top-Managers, das nach 10 Jahren Datenerhebung gebildet wird, hat sich wie völlig erwartet ergeben und sieht wie folgt aus: das ist ein junger verheirateter Mann, der an einer technischen Hochschule studierte und seine zweite wirtschaftliche Ausbildung erhielte oder eine Business-Ausbildung absolvierte. Er unterscheidet sich von seinem westlichen Kollegen dadurch, dass er ehrgeizig und risikobereit ist und die Hoffnung auf den schnellen Aufstieg hat.

Das Porträt eines typischen russischen Managers

Ein Merkmal des russischen Managers ist das, dass er häufig seinen Posten sowie Unternehmen wechselt: alle zwei bis drei Jahre tritt er einen neuen Posten an. „Der russische Top-Manager wechselt sein Unternehmen häufiger im Vergleich zu Manager aus westlichen Ländern“, — behauptet einer der Forschungs-Autoren, Mitarbeiter des Labors für Forschung des Arbeitsmarktes von der Hochschule für Wirtschaft in Moskau Sergej Solnzew.

Die meisten Manager bevorzugen den Übergang in das neue Unternehmen, 65 % Managers wechselten so ihren Arbeitsplatz vor der Krise. Jedoch nahm der Verfall der russischen Wirtschaft seine Korrekturen vor: so entschieden in Jahren 2008-2009 nur knapp über 50 % Top-Manager, die Arbeit in anderen Unternehmen zu suchen.

Eine der Ursachen für den häufigen Wechsel von den Unternehmen besteht darin, dass der russische Arbeitgeber Karriere in der Firma nicht aufbauen können. „Die russischen Top-Manager gehen auf eine neue Stelle in einem anderen Unternehmen öfter über, als bekleiden höhere Position in ihrem Unternehmen“, - sagt Herr Solnzew.

Andererseits entwickelte sich der Arbeitsmarkt in den Jahren 2000 dynamisch, deshalb verfügten die Manager über eine hohe Mobilität. Die Erreichung der Topposition mittels des Übergangs auf den neuen Arbeitsplatz mit neuen Projekten ist eine Standard-Situation für den Markt Russland, - meint der Partner der Agentur "Kontakt" Julija Sabasarnych.

Mutiger, jünger, aggressiver

Nach Angaben von Hochschule für Wirtschaft ist ungefähr die Hälfte der russischen Manager im Alter zwischen 30 und 40 Jahren. Das ist das entsprechende Alter für den Manager, so meint Frau Sabasarnych. „Im jungen Alter hat der Mensch noch keine ausreichende Leitungserfahrung, die Fachkräfte über 45 Jahre haben aber oft die sowjetischen Prinzipien und den in den 1990-er Jahren gebildeten Arbeitsstil, und es gelingt nicht allen, sich den Bedingungen der modernen Geschäftsführung anzupassen“, - sagt sie.

Die russischen Top-Manager sind wesentlich jünger als westliche Kollegen: der Unterschied beträgt durchschnittlich ungefähr zehn Jahre, sagt der Präsident von Gesellschaft „HeadHunter“ Jurij Wirowez. Das Alter des typischen Leiters sinkt weiter. Wegen der Entwicklung des Internet-Businesses wird der Weg zum Gipfel kürzer. „Man wundert sich nicht über einen Mann im Alter von 25 bis 27 Jahren, der eine ausreichende Leitungserfahrung hat“,- sagt Herr Wirowez.

Nicht nur das Alter, sondern auch das Prinzip der Geschäftsführung unterscheidet sich. Der typische Top-Manager unterscheidet sich durch „riskante Denkweise sowie gut entwickelte Führungsfertigkeiten in komplizierten Krisensituationen“, - sagt Jurij Wirowez. „Im Vergleich zu Europa oder Amerika, wo das durchschnittliche Alter des Top-Managers von 45 bis 60 Jahren beträgt, ist das Business in Russland jünger und aggressiver", - stimmt Frau Sabasarnych zu.

Geschäftsführung ist nicht für Frauen

Der typische Top-Manager ist... keine Frau - 84 % aller Führungsposition wird von Männern bekleidet. Bis zur Krise existierte eine Tendenz zum Anstieg der Anzahl der Frauen in Führungspositionen. Der Anteil der Frauen hat von 8 bis 23 % während 8 Jahre erhöht; nach der Krise ist er aber auf 20 % gefallen. Die Leiterinnen haben normalerweise eine wirtschaftliche Ausbildung und verlassen die Unternehmen seltener.

Es gibt fast keine Frauen unter den Geschäftsführern, nur 5—7 %, das Verhältnis zwischen Frauen und Männern ist jedoch unter den Top-Managern ungefähr gleich, sagt Verkaufsleiter von Kelly Services CIS Natalja Kurantowa. Verkaufsleiter, Marketing- und Finanzleiter sind heutzutage sehr wohl die Frauenberufe. Und sogar ist die Frau in der Leitungsposition in einem solchen männlichen Beruf wie Logistik zu finden.

Das Verhältnis zwischen Frauen und Männern in Toppositionen hängt vom Tätigkeitsbereich ab, meint der Geschäftsführer von Antal Russia Michael Germerschausen. "Das Verhältnis zwischen Frauen und Männern in Führungspositionen im Marketing ist in ungefähr ausgeglichen, Frauen vorherrschen im Personalmanagement, in Verkauf- und Finanzabteilungen dominieren ganz bestimmt die Männer", - sagt er. Eine Leiterin muss ihr Privatleben opfern. „Während der männliche Top-Manager fast immer ein verheirateter Mann ist, haben ihre weibliche Kolleginnen häufig überhaupt keine eigene Familie. Leider zwingt die Karriere, das Privatleben manchmal zum Opfer zu bringen», - sagt Frau Kurantowa.

Russische Unternehmen brauchen keine Expats...

Expats (entsendete ausländische Manager) haben sich in den russischen Firmen nicht eingelebt. Laut Angaben der Forschung bekleiden Expats lediglich 13 % der Toppositionen, dabei sind sie in der Regel bei den ausländischen Firmen tätig. Wie Frau Kurantowa meint, sind Expats nicht mehr so populär. Expats sind für die Unternehmen ein teures Vergnügen, dabei gibt es nun die Möglichkeit, die Kräfte unter den einheimischen Leitern auszusuchen. Die Ausländer sind hauptsächlich in den multinationalen Unternehmen oder ausländischen Firmen zu finden, wo die Arbeitgeber „eigene“ Fachkräfte bevorzugen.

Gelistete Unternehmen und große Banken bevorzugen als Finanzdirektoren die Ausländer, sagt der Präsident von Recruiting-Portal Superjob.ru Aleksej Sacharow. Sie haben Erfahrungen beim Arbeiten in ausländischen Märkten, auf den die Firma (Arbeitgeber) bereits präsent ist oder auf die sie expandieren will. Jedoch nicht der ausländische Pass, sondern die Führungsfertigkeiten sind das Wichtigste für Arbeitgeber. Die gute russische Fachkraft mit Erfahrung, die das MBA-Studium absolvierte, wird nicht niedriger geschätzt. „Es gibt aber eine äußerst geringe Anzahl solcher Fachkräfte mit der qualitativen russischen und ausländischen Erfahrung auf dem Markt ", - meint Herr Sacharow.

„Westliche Manager sind vorsichtiger und riskieren weniger“, - sagt Frau Sabasarnaja. Expat wird kaum der Teilnahme am Projekt mit hohem Risiko zustimmen. „Andererseits sind die russischen Top-Manager ehrgeiziger. Sie streben an, schnelle Karriere zu machen und wollen sofort das Ergebnis der Arbeit sehen", sagt Frau Sabasarnaja. “Westliche Manager sind nachgiebiger, sie brauchen mehr Zeit für das Verständnis der russischen Besonderheiten. Es gelingt ihnen leichter, eine Geschäftsentwicklung vorauszusehen, und westliche Erfahrung hineinzutragen, die in unserem Land noch nicht verwendet wird“, meint Frau Kurantowa .

23.03.2011 foodnewsweek.ru
Übersetzung aus dem Russland erfolge durch NBS

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